Die Nachricht vom Tod der Kessler-Zwillinge, Alice und Ellen, hat viele Menschen tief berührt. Zwei Frauen, die nahezu neun Jahrzehnte lang Seite an Seite gelebt, gearbeitet, gelacht und gelitten haben – und die sich nun auch für ein gemeinsames, selbstbestimmtes Lebensende entschieden haben. Ihr Abschied ist nicht nur ein trauriges Ereignis, sondern auch ein bewegender Moment, der zeigt, wie wichtig Nähe, Verbundenheit und Würde am Ende des Lebens sein können.
Ein Leben voller Bewegung, Bühne und unzertrennlicher Verbundenheit
Geboren 1936 in Sachsen, standen Alice und Ellen schon früh im Rampenlicht. Ihre Karriere begann im Kinderballett, führte sie ins Varieté und schließlich auf internationale Bühnen. Die beiden verkörperten Eleganz, Präzision und das, was viele Beneiden: eine tiefe, unerschütterliche Verbindung zueinander. Sie waren nicht nur beruflich ein Duo – sie waren ein Team, das alles gemeinsam entschied und durchstand.
Ihre Aussagen aus vergangenen Interviews lassen heute erkennen, wie bewusst sie ihr Leben geführt haben. Sie sprachen über Disziplin, Dankbarkeit, über die Bedeutung von Zweisamkeit – und darüber, dass sie sich ein Getrenntsein kaum vorstellen konnten.
Der gemeinsame Freitod – ein Akt des Mutes und der Selbstbestimmung
Zuletzt lebten die Schwestern zurückgezogen in ihrem Haus nahe München. Dort trafen sie, begleitet von Ärzten und rechtlich abgesichert, die Entscheidung zu einem assistierten Suizid. Ihr Wunsch war klar: Sie wollten gehen, solange sie selbst darüber bestimmen konnten. Sie wollten in Würde sterben. Und sie wollten es zusammen tun – so, wie sie ihr ganzes Leben verbracht hatten.
Dass sie diesen Schritt gemeinsam gingen, ist berührend. Es zeigt, dass selbst am Ende nicht Angst oder Einsamkeit im Vordergrund standen, sondern das, was ihr Leben lang für sie galt: die Freiheit, Dinge so zu gestalten, wie es sich für sie richtig anfühlt.
Warum ihr Schritt viele bewegt
Der gemeinsame Freitod der Schwestern hat eine wichtige Diskussion neu entfacht – nämlich die darüber, was es bedeutet, sein Leben selbstbestimmt zu Ende zu führen. Viele Menschen fragen sich, wann ein solcher Schritt verantwortungsvoll ist, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie professionelle Begleitung aussehen kann.
Gerade in einem emotional so aufgeladenen Thema ist es wichtig zu verstehen, dass es nicht um Verzweiflung geht – sondern oft um Klarheit, Haltung, Würde. Bei den Kessler-Zwillingen wurde diese Entscheidung von Fachleuten begleitet, medizinisch wie juristisch. Sie haben sich Zeit genommen, abgewogen, vorbereitet. Das macht ihren Schritt so nachvollziehbar und zugleich so respektvoll.
Die Rolle einer verantwortungsvollen Freitodbegleitung
Ein assistierter Suizid ist niemals eine impulsive Handlung. Er erfordert Informationen, Gespräche, Abwägungen, medizinische Einschätzungen und rechtliche Klarheit.
Eine gute Freitodbegleitung stellt sicher, dass niemand allein ist – weder emotional, noch organisatorisch. Sie hilft Menschen, die einen solchen Weg in Betracht ziehen, dabei:
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über ihre Ängste und Wünsche zu sprechen
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offene Fragen zu klären
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familiäre Konflikte zu vermeiden
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sichere und würdevolle Bedingungen zu schaffen
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eine Entscheidung zu treffen, die wirklich ihrer Überzeugung entspricht
Im Fall der Kessler-Zwillinge wird deutlich, wie wertvoll diese Form der Begleitung sein kann – weil sie ein Abschied ermöglicht, der friedlich ist, bewusst und getragen von Klarheit.
Ein stilles Vermächtnis
Der Tod von Alice und Ellen Kessler ist ein Einschnitt, aber er erzählt auch etwas Tröstliches: dass zwei Menschen, die ein ganzes Leben miteinander geteilt haben, am Ende genau den Weg gehen konnten, den sie sich gewünscht hatten.
Sie hinterlassen nicht nur ein beeindruckendes künstlerisches Lebenswerk, sondern auch ein stilles Vermächtnis: den Mut, selbst entscheiden zu dürfen, wann und wie der letzte Abschnitt des Lebens endet.
